Aktuelles aus der MIQ: Bebrütungszeit

Eine wesentliche neue Aussage machen die MIQ (Mikrobiologisch-Infektiologische Qualitätsstandards) zur Bebrütungszeit. Vielleicht sind diese Informationen auch für den aktuellen Ringveresuch Bakteriologie vom RfB hilfreich.

Noch immer gilt : Nach über-Nacht-Bebrütung sind die schnellwachsenden Bakterien aus dem Urin normalerweise gewachsen.

Aus klinisch-mikrobiologischer Sicht gilt, dass bei alleiniger „Kontamination“ der Urinprobe durch in diesem bzw. benachbarten anatomischen Kompartimenten physiologische Mikroorganismen keine Entzündungsreaktionen oder klinischen Symptome vorliegen.

Wichtig ist die ausreichende Bebrütungs- und Beobachtungsdauer der Kulturen. So können die „neuen“ Uropathogene (Aerococccus urinae, Actinognotum schaalii, Corynebacterium urealyticum) erst nach 48 h Bebrütungsdauer nachgewiesen werden. Zudem ist eine solche Bebrütungsdauer notwendig, um bei bereits begonnener Antibiotikatherapie das ggf. verzögerte Wachstum der Harnwegsinfektionserreger zweifelsfrei nachweisen zu können. Weitere Untersuchungsverfahren für Urinproben, wie z.B. der Nachweis von Leukozyten und Nitrit, besitzen als ergänzende Verfahren eine hohe Wertigkeit in der Diagnostik einer Harnwegsinfektion.

Aktuelle Version der EUCAST-Norm 2024

Das EUCAST-Komitee hat pünktlich zu Jahresbeginn eine aktualisierte Version der EUCAST-Norm herausgegeben. Das Original ist hier zu finden.

In der 14. Aktualisierung gibt es keine grundsätzlichen, neuen Änderungen, die das Urinlabor betreffen. Bei den Enterobacterales wurden einige Grenzwerte bei Antibiotika angepasst, die in der Regel i.v. oder eher nicht bei HWI gegeben werden. Erwähnenswert ist allerdings, dass es jetzt neue Grenzwerte für eine i.v. Fosfomycingabe gibt. Dabei wird nochmal unterschieden in eine i.v. Gabe bei Infektionen des Harntrakts durch E. coli, einer i.v. Gabe bei anderen Infektionen durch E. coli und einer i.v. Gabe bei anderen Enterobacterales. Das betrifft aber weniger das urologische Labor, da hier in der Regel Fosfomycin nicht i.v. verabreicht wird und ist eher spannend für Kliniklabore mit einem anderen Klientel. Die Grenzwerte für die orale Gabe von Fosfomycin bei unkomplizierten HWI der Frau, hervorgerufen durch E. coli, wurden dagegen nicht verändert und liegen weiterhin bei 24/24 mm beim Agardiffusionstest bzw. 8/8 mg/l im Dilutionsverfahren (wird z.B. in Automaten angewandt).

Agardiffussionstest mit Antibiotikablättchen

Bei den Grampositiven gestalten sich weiterhin die Staphylokokken schwierig bei der Interpretation. Hier gab es eine minimale Änderung bezüglich der Grenzwerte beim Ciprofloxacin. So ist S. aureus jetzt schon ab einem Hemmhofdurchmesser von 17 mm und größer als intermediär* anzusehen (zuvor galt ab 21 mm), Koagulase-negative Staphylokokken sind bei einem Hemmhofdurchmesser ab 22 mm und größer intermediär* bei Ciprofloxacin (zuvor galt ab 24 mm).

Interessant bleibt die Entwicklung bei den Enterokokken. Schon im letzten Jahr wurde darauf aufmerksam gemacht, dass zwar E. faecalis und E. faecium weiterhin die häufigsten Enterokokken-Arten in klinischen Proben sind. Allerdings gibt es immer häufiger Identifizierungen von bisher als selten angesehenen Enterokokken-Arten wie E. avium, E. casseliflavus oder E. gallinarum neben weiteren. Die bisherigen Grenzwerte bezogen sich aber auf Studien, die vor allem mit den zwei häufigen Arten, E. faecalis und E. faecium, durchgeführt wurden. Studien zu den selteneren Enterokokken-Arten fehlten bisher. Daher wurde schon 2023 angekündigt, dass hierzu jetzt intensiver geforscht wird. Für 2024 gibt es bisher noch keine neueren Daten bis auf die Tatsache, dass die Grenzwerte für Vancomycin bei den Enterokokken nicht für E. casseliflavus oder E. gallinarum gelten. Generell gilt ansonsten, dass aktuell die angegebenen Grenzwerte bei den Enterokokken für alle Enterokokken-Arten, auch die selteneren, gelten. Hier bleibt es aber abzuwarten, ob es in näherer Zeit weitere Erkenntnisse gibt und bekannt gegeben werden.

*Nach EUCAST: Sensibel bei erhöhter Exposition